„Ewig liebe Heimatund daß aus „Singen Gesang“ wird, diese beiden Motive mögen dazu geführt haben, daß am 15. Sept. 1897 der Männergesangverein Kraftsolms gegründet wird. In Liebe zur Heimat, die in vielen Volksliedern zum Ausdruck kommt und in der nüchternen Erkenntnis, daß nur Üben und Training unter fachkundiger Anleitung Chorgesang auf Dauer ermöglichen, legen 27 Männer in den vom königlichen Verbandsbürgermeister von Hagen genehmigten Statuten den Zweck des Vereins fest: „… daß den Freunden des Ge­sanges eine regelmäßige Gelegenheit verschafft wird, ihr Talent auszubilden, überhaupt den Sinn für Gesang zu wecken und auszubreiten“.

In den Paragraphen 1 und 2 bestimmen sie, daß sich der Verein ein- oder zweimal in der Woche versammelt, die Proben unter der Leitung des Dirigenten stehen und jedes Mitglied den Anlei­tungen des Dirigenten Folge zu leisten hat. Weiterhin soll jeder, der Mitglied des Vereins werden will, eine Aufnahmegebühr von 1 Mark und einen monat­lichen Beitrag von 20 Pfennigen zahlen. Außerdem soll jeder, ganz im Sinne des preußi­schen Rechtsstaatsdenkens, der bei den Übungsstunden ohne Entschuldigung fehlt, eine Strafe von 20 Pfennigen entrichten. Das Protokollbuch weist Einnahmen aus dieser Quelle auf (Zum Vergleich: Ein Arbeiterstundenlohn lag damals zwischen 10 und 20 Pfennigen ).

Die Versammelten wählen Karl Dietrich sen. als 1. Vorsitzenden, Georg Treffenstädt als Kassierer, Peter Diehl als Schriftführer und Jakob Strack, Wilhelm Söhngen und Wilhelm Daniel als Beisitzer. Erster Dirigent wird der Lehrer Otto Schneider, der die Schulstelle von Kraftsolms am 11. Juli. 1897 erhält. Es ist zu vermuten, daß er als begeisterter Förderer des Chorgesangs mit den Anstoß zur Gründung des Vereins gibt. Vielleicht bedauert man aber auch, daß bei der großen 100jährigen Geburtsfeier von Kaiser Wilhelm I. am 21. März. 1897 an der Friedenseiche Liedvorträge eines Gesangvereins fehlen.