Der neue Verein erreicht in Kraftsolms schnell großes Ansehen. Die Mitgliederzahl erhöht sich innerhalb von drei Monaten auf 67. Die Sänger üben bei Kerzen- und Petroleumslicht und gestalten gemeinsam mit den Schulkindern die Weihnachtsfeste in der Kirche mit Sprü­chen, Gedichten und Gesängen. Mit dem Dirigenten sind die Kraftsolmser sehr zufrieden. Als Zeichen der Anerkennung schenken sie ihm eine teure Regoulad-Uhr und einen Klavierstuhl.

Obwohl der Verein erst 2 Jahre besteht, richtet er 1899 schon ein Sängerfest aus. Leider ist nicht festgehalten, welche Vereine teilnehmen und welche Lieder gesungen werden. Ledig­lich die Ausgaben für Bier, Schnaps und Lustbarkeitssteuer lassen vermuten, daß es ein großes Fest ist. Der Reingewinn von 194 Mark wird in der Creditkasse von Brandoberndorf angelegt. Dieser zukunftssichernde Umgang mit Geld ist auch bei späteren Vorständen bis in die heutige Zeit zu loben.

Im Mai 1900 unternimmt der Verein einen Ausflug per Fuß nach Werdorf, der Heimat des Dirigenten. Der Hornist Strack bläst um 04:30 Uhr zum Abmarsch. Mit dem Gesangverein Werdorf werden gemeinsam Lieder vorgetragen. Man labt sich an köstlichem Bier und kehrt über Wetzlar heim. Lehrer Schneider schreibt dazu: „Hoffentlich sind alle am ande­ren Morgen bei ihren Angehörigen willkommen empfangen worden“. Eine Tradition, die in der Geschichte des Vereins noch häufig gepflegt wird.

Leider wird diese positive Entwicklung durch die Versetzung von Lehrer Schneider im Jahre 1901 nach Pracht, Kreis Altenkirchen, jäh unterbrochen. Lehrer Cramer, der ihm im Amt folgt, übernimmt auch das Dirigentenamt, aber nicht so engagiert wie Lehrer Schnei­der. Die Übungsstunden fallen häufig aus. Lehrer Cramer findet keinen Kontakt zum Ver­ein. 1904 legt er das Amt nieder. Bis 1912 wird nicht mehr unter Anleitung geübt und ge­sungen. Der Verein existiert aber passiv weiter. 1912 unternimmt man einen neuen Anlauf. Lehrer Cramer will gemeinsam mit Lehrer Koch die Übungsstunden übernehmen. Es bleibt bei der Absicht. Es wird zwar gesungen, manchmal schon unter W.Töpfer, aber ein kontinuierlicher Übungsbetrieb entsteht nicht.