Leider folgt auf das Hoch eine langanhaltende Dauerkrise. Die katastrophale Wirtschafts­lage in Deutschland führt zu Arbeitslosen, auch in Kraftsolms. Sie haben Schwierigkeiten, ihre Beiträge zu zahlen. Schwacher Besuch der Übungsstunden veranlaßt zur Kritik des Dirigenten und des Vorstandes an den Sängern. „Es kam zu einem Sturm in dem Verein, wobei der Vorsitzende von einigen Sängern mit Du angesprochen wurde, was als Man­gel an Anstand und Disziplin von einigen älteren Sängern sehr gerügt wurde“(H. Dietrich). Auch eine gelungene Weihnachtsfeier und fröhliche Rheintour können die Differenzen zwi­schen Dirigent und Sängern nicht überbrücken, so daß W. Töpfer nach 10jähriger Tätigkeit 1930 abgewählt wird. Ab 1930 übernimmt Lehrer Kottmann den Dirigentenstab, legt ihn 1931 wieder hin. Politische Differenzen zwischen den Sängern sind der Anlaß. Auch der Beschluß, während der Übungsstunden, Versammlungen und Ausflüge keine Abzeichen und Uniformen zu tragen, kann die Spannungen nicht überbrücken. 8 aktive Sänger treten aus dem Verein aus. Der Verein stellt daraufhin die gesanglichen Tätigkeiten einstweilen ein.

Lehrer Schneider jun. übernimmt vorübergehend das Dirigentenamt und man besucht mit­tels Lastauto von Wilhelm Bangel das Sängerfest in Naunstadt. Aber erst ab Juni 1933 wird wieder erneut mit W. Töpfer regelmäßig gesungen.

Durch das Gleichschaltungsgesetz von 1933 gezwungen, muß der gesamte Vorstand zu­rücktreten. Der alte Vorsitzende Jakob Bangel wird einstimmig zum „Vereinsführer“ ge­wählt. Dieser muß nach dem neuen Gesetz seine Vorstandskollegen selbst bestimmen. Nach Bestätigung durch den „Gauvorsitzenden“ beruft J. Bangel den alten Vorstand komplett wieder ein. 1934 wird ein schönes Familienfest unter Mitwirkung von M. Schmalor und E. Kümper gestaltet. F. Götz wird als Schriftführer abgesetzt, „als dessen Stellvertreter wird Fritz Hammer bestimmt, dieser schrieb nichts, brauchte er auch nichts vorzule­sen“(W.Schiffmannn).

1935 wird gemeinsam mit dem Gesangverein Niederquembach ein Wertungssingen in Braunfels besucht. 1936 findet in der Gaststätte Köhler ein Wertungssingen für den Bezirk statt. „Die Vereine gaben ihr Bestes her, aber die Wahl der Lieder und die Art der Kritik war vielen ungewohnt und konnte manchen nicht so recht begeistern“(R. Diehl). Im glei­chen Jahr nimmt der MGV an den Sängerfesten in Bonbaden und Tiefenbach teil. Der Vor­stand plant ein größeres Fest zum 40jährigen Jubiläum, aber es bleibt bei der Absicht. 1937 wird nur ein Ausflug nach Mönstadt mit kräftigen Einkehrschwüngen in die Gaststätten entlang der Strecke durchgeführt. In ähnlicher Weise verläuft das Vereinsleben 1938: Ge­neralversammlung, Familienfeier, Treffen und Singen mit Nachbarvereinen in Niederwetz.

1939 übernimmt Lehrer Schüler das Dirigentenamt. Der MGV tritt nach wenigen Übungs­stunden in Dietenhausen und Brandoberndorf auf. „Die Übungsstunden werden regelmäßig abgehalten und immer besser entwickelt sich der Verein bis Ende August, da kam der Schrecken der Zeit, Krieg mit Polen. So wurden Ende August verschiedene Sänger zu den Fahnen gerufen, von dieser Zeit an ruht der Verein“(W. Treffenstädt). Nicht ganz, denn ei­nige, schwach besuchte Versammlungen werden noch abgehalten. Mit den Sängern, die als Soldaten aktiv sind , nimmt der Vorstand über Feldpostkarten und durch Spenden finan­zierte Geschenkpakete Kontakt auf, den diese freudig erwidern.