Nach der Kraftanstrengung Sängerfest werden im Jahre 1951 der Sängerwettstreit in Leih­gestern und das Sängerfest in Oberquembach besucht. Mit den Liedern: „Es ist so still ge­worden“, „Vespergesang“ und „Muß i denn…“ werden ein 2. Preis und zwei 1. Preise ge­wonnen. Obwohl die Kraftsolmser Sänger als krasse Außenseiter gelten, setzen sie sich unter dem Prinzip „ Mehr Sein als Scheinen“ (W.Lehr) gegen zahlenmäßig wesentlich grö­ßere Chöre durch. Nach der Heimfahrt versammeln sie sich im Gasthof „Zum Adler“ und singen freudig das Lied: „Das ist der Tag des Herrn…“.Im gleichen Jahr bringt der MGV auf Vorschlag des Sangesbruders A. Mangold den PatientenInnen des Krankenhauses Falckeneck ein „Ständchen“. Diese Darbietung findet großen Gefallen und wird in den fol­genden Jahren wiederholt, mit einer Erweiterung: Man besichtigt danach die Braunfelser Brauerei!!!

Am 2.3.1952 gibt der MGV unter Leitung von W.Töpfer und unter der Mitwirkung des Opernsängers Kurt Manfred Sporleder ein Chorkonzert in der Gaststätte Köhler. Dr. Hinze,. WNZ, schreibt dazu: „…Der Kraftsolmser Männergesangverein mag allerdings insofern den Rahmen einer Verallgemeinerung sprengen, als es sich bei ihm um einen der besten dörfli­chen Chöre handelt, die landauf, landab anzutreffen sind. ….Das Konzert selber legte auch beredtes Zeugnis von dem Können und dem hohen Stand der sängerischen Schulung ab, der unter der jahrzehntelangen Leitung ein und desselben Dirigenten erreicht worden ist…..Man wollte von diesem Chor immer noch mehr hören. Stolz kann er insbeson­dere auf seine Te­nöre sein, die sowohl hinsichtlich ihres Tonvolumens wie auch ihres Wohlklangs bemer­kenswert sind. Beachtlich auch die 2. Bässe, und nicht vernachlässigt, wie oft, die Mittel­stimmen. Das Ganze ein wohlausgewogener, gepflegter Klangkör­per…..Ansprechende Chordisziplin vervollständigte das Bild, angesichts dessen man ahnt, wieviel Mühe, aber auch wieviel idealistischer Eifer dahintersteckt“.

In den darauffolgenden Jahren werden die Sängerfeste in Cleeberg, Altenkirchen, Griedel­bach, Katzenfurt, Bonbaden und Neukirchen besucht, zu Fuß, per Fahrrad oder mit dem Postbus, in schwacher und in starker Besetzung. Zwei Geburtstage werden groß gefeiert. Am 2.1.1953 wird W.Töpfer 60 Jahre und am 19.11.53 Jakob Bangel (Jedde Joab) 70 Jahre. Beiden Männern verdankt der MGV viel, Töpfer die gute gesangliche Entwicklung und J. Bangel die unermüdliche Organisationsarbeit. Besonders wichtig ist, daß die Zusam­menarbeit zwischen Dirigent und Vorstand funktioniert. Bangel/Töpfer, Heil/Töpfer und später Müller/Jung sind erfolgreiche Partner, die, weil sie harmonieren, den MGV zu Lei­stung und Kontinuität führen. In der langen Zeit des Bestehens des MGV gibt es fast nur altersbedingte Wechsel der Dirigenten und Vorstandsmitglieder. Ein sichtbares Zeichen für die gelebte Harmonie im MGV.

Durch Vermittlung von Jakob Bangel besuchen die Sänger am Pfingstsonntag 1953 den Weinort Stadecken. Die Kraftsolmser Sänger singen sich in die Herzen der Stadecker. Der Wein fließt in Strömen. Alte Stadecker Sänger bringen zum Ausdruck: „So wie die Kraftsolmser singen, das gibt es nur einmal“ (A. Mangold). Der Besuch wird erwidert. Lang­jährige Freundschaften zwischen den Sängern der Vereine entwickeln sich.

Am 15. August 1954 bringt der MGV dem Lehrer Schneider, Sohn des 1. Dirigenten und kurzzeitig auch Dirigent des MGV, zum 50. Geburtstag ein Ständchen in Schönbach. Auf dem Dorfplatz singt der MGV mehrere Chöre und erntet großen Beifall der zuhörenden Schönbacher.

Auf Anregung von Töpfer bilden im Herbst 1954 der Chor „Germania Schwalbach“ und der MGV die Chorvereinigung Schöffengrund. Sie veranstalten 1955 erfolgreich 2 Kon­zerte in den Gaststätten Schuppner, Schwalbach und Köhler, Kraftsolms. Am 15. März 1955 tritt die Chorgemeinschaft am Liedertag in Wetzlar auf. Sie trägt die Lieder vor: „Hebe deine Augen auf“, „Verklungen und verblüht“, und das „Handwerkslied“. „Wir hatten wohl, auf gut deutsch, den Vogel abgeschossen“ (A. Mangold).

Dem Hoch folgt ein Tief. Da viele aktive Sänger als Landwirte, teils auch als Nebener­werbslandwirte tätig sind, ruht im Sommer der Sangesbetrieb. Die Beteiligung im Herbst ist so schwach, daß man beschließt, mit dem Frauenchor einen gemischten Chor zu bilden. Mit diesem Chor tritt man bei den Sängerfesten in Kröffelbach und in Schwalbach auf. Diese Lösung wird als nicht befriedigend empfunden. Eine außerordentliche Versammlung der Sänger bringt den Umschwung und neuen Elan. „30 Sänger waren erschienen, so viele hatten wir lange nicht mehr zusammengesehen. Schon beim ersten Lied erkannte jeder: Jetzt macht das Singen wieder Freude!“ (A. Mangold) Wilhelm Töpfer gibt bekannt, daß ihm der Chor Kraftsolms besonders ans Herz gewachsen ist und daß er alles tun will, um den Verein wieder auf die alte gesangliche Höhe zu bringen. Diese Absicht setzt er ziel­strebig bis zu seinem Ausscheiden im Jahre 1966 in die Tat um. Über sich selbst sagt er in der Festschrift von 1972 (aufgezeichnet von W. Schmalor): „Zur Frage nach Auswahl der Chöre muß ich zunächst sagen, ich meine, 20 Jahre braucht man, bis man ein guter Dirigent wird. Es gehört eine Menge Menschenkenntnis dazu. Das genaue Erklären des Textes ge­hört dazu, ebenso das Hinführen und Hineinfühlen in den Text. Der Dirigent muß seine Sänger und auch deren Qualitäten kennen.. . Ich glaube, ich habe immer gewußt, welches Lied ich für meinen Chor zu wählen hatte… Auch im 3. Reich haben wir die Paradelieder der Arbei­tergesangvereine mit Erfolg gesungen. Man durfte nur nicht zu ängstlich sein.“

1963 feiert der MGV gemeinsam mit seinem Dirigenten dessen 50jähriges Dirigentenjubi­läum. Chöre aus Albshausen und Tiefenbach, mit denen er viele Jahre gearbeitet hatte, sin­gen ihm zu Ehren. Der Vorsitzende des SSB Karl Jung würdigt seine überragenden Ver­dienste für den Chorgesang im Schöffengrund.Bereits als Jugendlicher beschließt W. Töpfer, die Musik in seinen Lebensmittelpunkt zu stellen. Er übt und musiziert, auch gegen Widerstände in der eigenen Familie, denn Musikmachen gilt als brotlose Kunst. Dennoch setzt er sich beharrlich durch. Er lernt viele Musikistrumente spielen, gründet eine Kapelle und dirigiert etliche Gesangvereine des Solmsbachtales.Alles, was er über Musik weiß und was er musikalisch kann, bringt er sich selbst bei. In besonderer Würdigung dieser autodidaktischen Leistung singt der MGV „O Schöffengrund“, ein von Töpfer geschriebenes und vertontes Lied.

1961 besucht der MGV mit einer kleinen, auserlesenen Schar aktiver und passiver Sänger den MGV Viktoria Dortmund-Asseln. Daraus entwickeln sich langjährige Freundschaften zwischen den Sängern, mit häufigen Gegenbesuchen. Unter dem Motto „Sängerwettstreit einmal anders“ werden Fußballspiele ausgetragen und Fässer guten Dortmunder Bieres ge­leert.

Liedertage in Kröffelbach, Schwalbach, Niederwetz, Dietenhausen, Maisingen in Altenkir­chen, 100jähriges Jubiläum in Brandoberndorf und Liederabend in Kraftsolms sind die of­fiziellen Aktivitäten des MGV. Daneben veranstaltet der MGV seine Ausflugstour, die er sinnigerweise mit dem Beisatz „Fahrt ins Blaue“ versieht. Man besucht den Retterhof, die Schaumburg, Dortmund-Asslen, Oberems, Schotten, Griedel, Hattenheim, Hirzenhain und das Gelbachtal. Manchmal wird auch ein Sangesfreund bei der Abfahrt vergessen., aber alle werden wiedergefunden.

Mit besonderer Freude werden Ständchen zur grünen, silbernen und goldenen Hochzeiten und besonderen Geburtstagen dargeboten, zumal man die Geehrten beim anschließenden feucht-fröhlichen Zusammensein noch mehrfach hochleben lassen kann.

Bei Beerdigungen seiner Mitglieder erweist der Verein ihnen die letzte Ehre und nimmt Ab­schied mit der Trauer angemessenen Lieder.

Mit dem Chorkonzert im Jahre 1966 mit 16 Liedern, vorgetragen von Frauen- und Männer­chor, endet die überaus erfolgreiche Ära von Wilhelm Töpfer. Seine temperamentvolle Art, seine musikalische Genauigkeit und die gute Auffassungsgabe machten ihn zu einem be­gehrten Chorleiter. Von mehr als einem ½ Dutzend Vereinen wurde er engagiert. Mit sei­nem Wirken hat er das Musik- und Gesangsleben im Solmsbachtal maßgeblich beeinflußt.

Sein Nachfolger wird Willi Pfeiffer aus Kraftsolms. Trotz großem Einsatz …“schlich sich so allmählich die alte Krankheit wieder ein, diese nahm übers Jahr solche Folgen an, daß wir am 13.10.67 mit 13 Mann die letzte Gesangstunde abhielten“ (K. Wallbott). Um den Chor am Leben zu erhalten, beschließt man, wieder mit den Frauen im gemischten Chor zu singen. Dennoch besucht August Heil jeden einzelnen Sänger und bittet ihn, wieder aktiv teilzunehmen. Dieses wird versprochen und auch eingehalten, so daß wieder ein reiner Männerchor zu den Vereinsjubiläen in Neukirchen, Oberquembach und dem Liederabend in Dietenhausen fährt. Auch beim Wertungssingen des SSB im Wetzlarer Hof erhält man die Bewertung gut bis sehr gut. Aber es „funkt“ nicht zwischen Dirigenten und Chor, man trennt sich 1969 im gegenseitigem Einvernehmen.

Als Chorleiter wird Wilhelm Töpfer jun. gewonnen. Schon 1970 vereinigen sich der „Liederkranz Niederwetz“ und der MGV Kraftsolms zu einer Chorgemeinschaft. Man übt wöchentlich abwechselnd in Niederwetz und Kraftsolms. Bei dem Wertungssingen 1970 in Nauborn fällt an die Chorgemeinschaft für alle 2 im Programm gesungenen Chöre „Die Bahn des Lebens“ und „Auf der Lüneburger Heide“ die Wertung sehr gut bis hervorragend (Note 1,9). Diese Erfolge wiederholen sich 1971 in Nauborn, 1973 in Wetzlar und 1974 in Oberbiel.

1971 singt der Chor anläßlich einer Matinee im Wetzlarer Rosengarten, er beeindruckt das zuhörende Publikum stark.

Vom 10. – 12. Juni 1972 feiert der MGV sein 75jähriges Bestehen. Heinz Linnenbecker wird Schirmherr. „Wie das üblich ist in Kraftsolms, mußte es erst einmal regnen….auch als Brückenbauer mußten wir tätig sein“ (K. Wallbott).Auftakt des Festes ist ein Bunter Abend im Festzelt am Freitag mit dem Medium-Terzett und Franzl Lang. Am Samstagabend steht ein Festkommers im Mittelpunkt, zu dem etwa 1400 Zuhörer und Mitwirkende zusammenkommen. Am Sonntag zieht ein großer Festzug mit 30 Vereinen, 2 Festwagen und 3 Musikkapellen durch das festlich geschmückte Dorf. Im Festzelt findet anschließend ein Freundschaftssingen von 12 Chören und Chor­gruppen statt. Der Männergesangverein und der Frauenchor eröffnen unter W. Töpfer jun. mit dem Satz „Jubilate“. Im Mittelpunkt stehen dann unter anderem „An die Freude“ (Liederkranz Dietenhausen), „Danklied“ (Chorgemeinschaft Neukirchen/Oberquembach), „Tausend Sterne“ (MGV Bonbaden) und „Von Luzern nach Weggis zuar“ (Taunusklang Hasselborn