Der Beginn des 1. Weltkrieges setzt den Sangesbetrieb völlig außer Kraft. W.Treffenstädt schreibt dazu: „…..der Krieg sprengte den Verein auseinander, die meisten Sangesbrüder zogen gegen den Feind, der uns im Frieden gestört hatte.“ Besonders hervorzuheben ist, daß der Vereinsvorstand im Krieg das Geldkapital an Vereinsbedürftige verteilt. Nach dem Krieg beteiligt sich der Verein initiativ am Bau des Kriegerdenkmals und singt unter W.Töpfer am 1.Oktober 1922 zur Einweihung.

Ab 1920 übernimmt Wilhelm Töpfer das Dirigentenamt, denn „in ihm lag eine Kunst von Musik und Gesang“ (W. Treffenstädt). Mit seinem Humor und seiner Kenntnis der Kraftsolmser weckt er die Einsatzbereitschaft der Sänger, die nach den schrecklichen Kriegserlebnissen nach Neuorientierung und nach Harmonie mit sich und anderen su­chen.1922 ist der Verein so stark, daß er ein Sängerfest mit Fahnenweihe veranstalten kann. Denn entgegen der Tradition besitzt der Verein noch keine Fahne. Bei Sängerfesten und sonstigen Anlässen wird nur ein Schild vorangetragen. Dieses Manko zu beseitigen, be­schließt der Vorstand, eine Vereinsfahne für 6500 Mark bei einer Firma in Berlin zu bestel­len. Leider erfolgt die Bestellung so spät, daß die geplante Fahnenweihe in Frage gestellt ist. Martin Schmalor wird nach Berlin geschickt. Ihm gelingt es, daß die Fahne unter Einle­gung von Nachtschichten der Stickerinnen fertig wird. Er übergibt rechtzeitig die Fahne, hält die Festrede, die in dem Satz gipfelt: „Freut Euch des Liedes in dieser schweren Zeit“. Die „Jungfrauen“ und Frauen von Kraftsolms stiften eine Fahnenschleife und einen Fah­nennagel. Mit der Fahne und dem Fahnenlied: “Auf Ihr Brüder hebt die Fahne“ wandelt sich der Namen von „Männergesangverein Kraftsolms“ zu „Männergesangverein Harmonie Kraftsolms“.

15 Vereine nehmen an dem Fest teil und werden freudig begrüßt mit dem Chor: “Seid will­kommen Sangesbrüder, tretet ein in unseren Kreis“. Leider regnet es in Strömen, eine Tra­dition, die sich bei allen späteren Festen leider wiederholen wird.

Das Vereinsleben entwickelt sich prächtig. Neben Besuchen zu befreundeten Vereinen per Fuß, werden zu Weihnachten und Fastnacht kleinere und größere Feiern organisiert. Neben dem Männerchor bildet sich ein gemischter Chor. Theaterstücke werden aufgeführt. Als LaienspielerInnen treten auf: Fritz Hammer, Ernst Zimmermann, Carl Stahl, Heinrich Mül­ler, Eugen Kiebler, Carl Schreier, Dina Diehl, Emma Schäfer, Mienchen Christmann, und die Kinder Mienchen Töpfer, Hilda Diehl, Emma Hammer, Hildegard Zimmermann, Erna Bangel und Frieda Treffenstädt. Sie sind so erfolgreich, daß mit den eingespielten Einnah­men die durch die Inflation bedingten Schulden völlig abgetragen werden können.

1924 beschließt man, dem Solmser Sängerbund beizutreten. Aber erst im Jahre 1927 nimmt der Verein an einem öffentlichem Sängerwettstreit in Altenkirchen teil. Vor dem Wettstreit üben die Sänger 2 bis 3mal die Woche, die letzte Woche jeden Tag. Um die Aussprache und die Stimme zu verbessern, wird der Junglehrer Hugo Lotz aus Kröffelbach herangezo­gen. Nach der Fußwanderung nach Altenkirchen und ermunternder Ansprache von Töpfer erreichen die Sänger im 1. Klassesingen mit den Liedern „Sommerruh“ und „Der schönste Tod“ den 1. Klassepreis und beim Ehrensingen mit „Ach jetzt reisen wir zum Tor hinaus“ und „Treue Liebe, steh ich in finsterer Mitternacht“ ebenfalls den 1. Ehrenpreis. Der Diri­gentenpreis in der 3. Klasse fällt an W. Töpfer.

Der Erfolg von Altenkirchen bringt nicht nur hohe Anerkennung, sondern führt auch zu ei­ner Rückkehr der Sänger des Quartetts Kraftsolms, eines Anfang der 20er Jahre neu gebil­deten zweiten Gesangvereins von Kraftsolms. Diese „Wiedervereinigung“ stärkt den Zu­sammenhalt im Verein, praktiziert die im Namen ausgedrückte Harmonie und bringt neue Höchstleistungen. Bei dem Sängerwettstreit 1928 in Bonbaden erringt der MGV in der II. Klasse mit 44 Sängern und den Liedern „Draußen blühn die Rosen“ ,“Am Rhein muß meine Heimat sein“, „Muß i denn zum Städele hinaus“ und „Oh wie herbe ist das Schei­den“ alle ersten Preise. Heinrich Dietrich schreibt: „Bei diesem letzten Auftreten hatte er (Töpfer) sich die Nerven so angestrengt, daß er beim Abtreten fast zusammenbrach……..Die Freude, die sich im Innern der Sänger bemerkbar machte, konnte nicht ermessen werden“.

Ein zufällig im Dorf anwesendes amerikanisches Ehepaar Schmidt ist so begeistert, daß es spontan ein Faß Bier spendiert.

Am 6. und 7. Juni 1927 feiert der MGV bei strömenden Regen sein 30jähriges Stiftungsfest. 22 Vereine aus der Umgebung nehmen teil. Der fürstliche Oberförster Ehlers organisiert den Festzug, die Kapelle Lira(Töpfer) begleitet den Festzug durch das festlich geschmückte Dorf. „ Nun gaben die anwesenden Vereine der Reihe nach auf der Bühne ihr bestes Kön­nen hin“. Trotz widrigen Wetters herrscht eine frohe Stimmung. Die umfangreiche Vorbe­reitung und die harte Arbeit der Mitglieder wird auch finanziell belohnt.