von Wassily Schmalor

Das Jahr 1997 steht ganz im Zeichen der Festlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum des Vereines. Sicherlich eines der absoluten Höhepunkte im musikalischen Wirken von Wolfgang Jung beim MGV „Harmonie“ Kraftsolms.

Den Auftakt zu den Jubiläumsfeiern bildet die Akademische Feierstunde im April 1997 im Dorfgemeinschaftshaus. Hier zahlt sich die unermüdliche Fleißarbeit der Chorproben aus, denn aufgrund des hervorragenden Gesanges können noch am selben Abend neue, begeisterte Sänger für den Jubelchor gewonnen werden. Ein weiterer Leckerbissen des Abends ist sicherlich die von Volker Walther in Form eines Dia-Vortrages humorvoll und kompetent vorgetragene 100-jährige Geschichte des Vereins. Kurzum: der akademische Abend soll allen Anwesenden in angenehmster Erinnerung bleiben.

Seinen Höhepunkt erreicht das Jubiläumsfest mit dem Festwochenende im Juni 1997. Nach umfassenden Vorarbeiten der Organisationsausschüsse steht den Festlichkeiten nichts mehr im Wege. Am Freitag ist es dem Verein gelungen, die HR3-Discoparty nach Kraftsolms zu holen. Es wird die größte und meistbesuchte Veranstaltung, die Kraftsolms jemals gesehen hat: rund 2.200 Besucher drängten sich im Festzelt, dazu kommen noch die rund 100 Helfer und Diensthabenden.

Am Samstag und Sonntag steht dann das Gastsingen der 66 (!) teilnehmenden Chöre auf dem Programm. Durch eine hervorragende Planung und professionelle Präsentation kann dieses Mammutprogramm anspruchsvoll und gesanglich hochwertig aufgeführt werden. Erwähnenswert ist hierbei, dass die Gesangsvorträge nicht nur im Festzelt dargeboten werden, sondern auch im gut besuchten, nahegelegenen Dorfgemeinschaftshaus. Der Jubelchor MGV „Harmonie“ präsentiert sich selbst mit den Liedern „Festgesang“ und „Where you there“.

Selbstverständlich wird am Festsonntag mit den Ortsvereinen und Bewohnern ein traditioneller Festzug durchgeführt. Den Abschluss des Festwochenendes bildet dann ein hervorragend besuchter und stimmungsvoller Frühschoppen am Festmontag, abgerundet wird das Festjahr mit der Helferfeier im Oktober.

Im September 1997 richtet der Verein eine ungewöhnliche Trauerfeier aus. Die alte Vereinsorgel, die 1977 zum Einstand von Wolfgang Jung als Dirigent angeschafft wurde, hat ihren Dienst quittiert, und es wird ein neuer, moderner Synthesizer angeschafft. Natürlich wird die alte Orgel, die den Chor 20 Jahre lang begleitet hat, ihren Verdiensten entsprechend gewürdigt, es wird ihr sogar folgendes Gedicht gewidmet:

Su mancher Sänger im Verein, hiert hau noch Tön, su klur unn rein.

Gespielt woarn dej off su er Gei, unn jeder saat, dej Tön sei foi.

Doch manchmol sollt das Instrument, missbraucht als Schläjer wern ohm End.

De Geijespieler saat salopp: „Ich haach die Gei gleich dir ohn Kopp!“

Etz nur koa Engst, suweit kohm’s nie, de Geijespieler es net mie.

 

En Naue kohm, en junge Kell, moach lang net su en gruße Spell.

Doch oans hu mir gleich metgekritt, e Gei zohm spien, dej harre net.

Die Nut woar gruß, wu denkste hie, de Chor, der hat koa Musik mie.

Us Vorstand doch es offgeschlosse, unn saat: „Mir mache goar koa Bosse!“

De naue Winker kroach sudann, e Orjel, dej e spiele kann.

 

Hej stitt se nun, des goure Steck, unn all die lange Juhrn sereck,

hot se gespielt ohne se mucke, unn koaner braucht noch ihr se gucke.

Doch langsam kohm se en die Juhrn, se deart goar net mie richdich spurn.

Es kohme Tön aach wej verreckt, doch koaner hat e Tast gedreckt.

 

Dem Dirigent sei bestes Stück woar bis zum Schluß sei ganzes Glück.

Doch etz horre, de aalt Schlawiener, e neue Orjel, grisser, schiener.

Doch aach des neue Deng, das spielt selbst wenn koa Mensch die Taste quält.

Nur spielt es dann e Melodie, unn net e Ein-Ton-Symphonie.

 

Das goure Steck es nun vedrosse, unn hot nun ganz fier sich beschlosse,

weil mesch net mie richte kann, voom Kopfballpendel robsefann.

Mir konnes nun net mie vemeide, drim lost us etz das Deng begleide,

off seim letze, schwiere Gang, drum hebt mol huuch, kommt hej entlang.

Vo hej dem huhe Eisemast fäält’s ronner und ich glawe fast,

off jeden Fall stell ich mer vor, ohm hiechste es de Klirrfaktor.

Trotz allem wolle mir der kranke Orjel doch vernünfdich danke,

fier all dej Leistung en dejn Juhrn, unn haal se steif, die Orjeluhrn!

Ein weiteres geplantes Jubiläumskonzert im November muss allerdings aufgrund bestürzender Todesfälle abgesagt werden. So sterben nach dem Festwochenende in nur 2 Monaten 4 Mitglieder des Vereines, darunter auch der langjährige 1. Vorsitzende Edmund Müller, der ja seinerzeit für die Verpflichtung von Wolfgang Jung als Chorleiter verantwortlich war.

Wie jeder weiß, besteht ein Jahr nicht nur aus einer Jubiläumsfeier, und so tritt der Chor im Jahre 1997 bei einer Reihe von Festlichkeiten befreundeter Vereine in Dietenhausen, Griedelbach, Büblingshausen, Kröffelbach, Aßlar und Cleeberg auf. Nicht unerwähnt bleiben sollen die zahlreichen Geburtstagsständchen, der Auftritt beim Waldsolmser Weihnachtsmarkt, sowie das traditionelle „Singen an der Wehr“ kurz vor Heiligabend.

Die allseits beliebte Winterwanderung führt den Chor in jenem Jahr in Richtung Cleeberg und Butzbach.

Im März 1998 nimmt der MGV „Harmonie“ wieder an einem Bundesleistungssingen des SSB teil. In der Männerchorklasse II muss der Chor sich in Aßlar gegen Erda und Altenkirchen behaupten. Für die Vorträge „John Peel“ und „Der Mond ist aufgegangen“ erhalten die Kraftsolmser Sänger von Wertungsrichter Gottfried Kärner die Noten 1,4 bzw. 1,5, was den 1. Platz bedeutet. Die leistungsorientierte Ausrichtung des Chores durch Wolfgang Jung trägt also wieder einmal reife Früchte.

Im Mai steht dann ein weiterer Sangeswettstreit auf dem Programm: das Pokalsingen im badischen Schriesheim. In der Männerchorklasse M5 singt der Chor die Lieder „John Peel“, „Der Mond ist aufgegangen“ und „Weit geh’n die Gedanken“. Die Wertungsrichter Hans Schlaudt und Willy Trageser belohnen den hervorragenden Auftritt mit einem 2. Platz. Abgerundet wird der Ausflug mit der obligatorischen Feier und einem Besuch des Technikmuseums in Sinsheim.

Auch in der Advents- und Weihnachtszeit 1998 setzt der MGV „Harmonie“ neue Qualitätsmaßstäbe. Den Auftakt macht dabei das Weihnachtskonzert im November im Koptischen Kloster zu Kröffelbach. Dieses rundum gelungene Konzert wird gefolgt vom Weihnachtskonzert in der Kubacher Kristallhöhle, an dem auch der Posaunenchor Oberbiel teilnimmt. Die einmalige Akustik der Höhle hinterlässt bei allen Beteiligten, Aktiven wie Besuchern, einen nachhaltigen Eindruck.

Auch im Jahr 1998 besucht der Chor natürlich zahlreiche Feste, z.B. in Falkenbach, Laufdorf, Neukirchen und Brandoberndorf. Besonderer Leckerbissen ist die Hochzeit von Jörg Wolf und seiner Frau Antje im Mai, die verschiedenen Geburtstagsständchen, sowie natürlich die zweijährlich stattfindenden „Kubacher Grilltage“ im Hof unseres geschätzten Dirigenten Wolfgang Jung.

Die Mitgestaltung des Weihnachtskonzertes des Musikvereins Waldsolms bildet den musikalischen Abschluss eines ereignisreichen Sängerjahres, der gesellige Abschluss führt die Sänger bei ihrer Winterwanderung über Dietenhausen zum Bahnhof in Grävenwiesbach.

Das Jahr 1999 bringt zunächst eine organisatorische Änderung in der Zusammensetzung des Vereinsvorstandes. Bereits beim Ausflug nach Sinsheim ist die Idee geboren worden, zukünftig den Posten eines „Jugendvertreters“ im Vorstand zu besetzen, um auch die zahlreichen jungen Sänger, auf die der Verein zu recht stolz sein kann, im Vorstand zu repräsentieren. Zum ersten Jugendvertreter der Vereinsgeschichte wird Wassily Schmalor gewählt.

Im Mai 1999 nehmen die Kraftsolmser Sänger am Pokalsingen in Dutenhofen teil. In Konkurrenz zu Frankfurt-Sossenheim und Münchholzhausen werden dem Wertungsrichter Wolfgang Hauck die Lieder „Der Mond ist aufgegangen“, „John Peel“ und „Zum Tanze da geht ein Mädel“ präsentiert. Kann man unmittelbar nach dem Auftritt noch mit der eigenen Leistung zufrieden sein, so kehrt nach Bekanntgabe der Ergebnisse Ernüchterung und Verwunderung, teilweise sogar – auch bei neutralen Zuhörern – Unverständnis ein. In allen Klassen muss sich der MGV „Harmonie“ mit dem 3. Platz begnügen.

Der musikalische Höhepunkt des Jahres 1999 ist sicherlich die Einladung zum Herbstkonzert „Fest der Sinne“, an dem der Chor als Sieger des Bundesleistungssingens teilnehmen darf. An diesem Abend hinterlassen die Kraftsolmser Sänger, auch nach Meinung aller teilnehmenden Fachleute und Kenner, einen hervorragenden Eindruck.

Bemerkenswert ist sicherlich, dass an diesem Abend erstmals mehr als 40 – genauer gesagt sogar 42 – Sänger in den Reihen des MGV „Harmonie“ stehen. Aufgrund einer alten Wette kostet dies den Chorleiter Wolfgang Jung, sowie den 1. Vorsitzenden Hans-Dieter Wagner, für den Chor 3 Flaschen Cognac und das dazugehörige Essen.

Im Oktober dann ein weiterer Höhepunkt des Jahres 1999: die Schoppesänger feiern ihr 20-jähriges Bestehen. Selbstverständlich nimmt auch der Gesamtchor an den Festlichkeiten im Dorfgemeinschaftshaus teil. Auch dieser lustige und gesellige Abend wird allen Gästen sicherlich in toller Erinnerung bleiben.

1999 werden in Hasselborn, Hirschhausen, Mönstadt, Niederbiel, Ulm und Kröffelbach Festlichkeiten besucht und natürlich werden auch in diesem Jahr nicht die Ständchen zu zahlreichen runden Geburtstagen und Jubiläen vernachlässigt.

Den Abschluss des Sängerjahres bildet ein Weihnachtskonzert zusammen mit dem Frauenchor Kraftsolms im DGH, das traditionelle „Wehrsingen“ und natürlich die Winterwanderung, die die Sänger in jenem Jahr über Neukirchen nach Braunfels in die „Obermühle“ führt.

Im nächsten Jahr gilt es wieder einmal die Qualitäten des Chores bei einem Bundesleistungssingen des SSB unter Beweis zu stellen. Nach langem Proben präsentieren die Kraftsolmser Sänger im März 2000 in Waldgirmes dem Wertungsrichter Prof. Rolf Eisenbeiß die Lieder „Am schönsten Sommerabend“ und „In Mondes Schimmer“. Mit der Gesamtnote von 1,58 erringt der Chor den 1. Platz der Männerchorklasse II und kann Burgsolms auf den zweiten Rang verweisen.

Der Höhepunkt im Vereinsjahr 2000 ist dann sicherlich der wunderschöne 4-Tages-Ausflug im Oktober nach Erfurt und Umgebung. Bereits donnerstags bei der Hinfahrt wird das Kalibergwerk Merkers besichtigt und der Chor kann in 500 Meter Tiefe einen einmaligen Gesangsvortrag halten. Neben Ausflügen nach Weimar, Ilmenau und Oberhof gestalten die Kraftsolmser Sänger in der Erfurter Predigerkirche einen Gottesdienst mit. Unvergesslich ist auch das spontane Kurzkonzert mitten auf dem Erfurter Fischmarkt, das zahlreiche Passanten zu wahren Jubelstürmen hinreißt. Über Tann in der Rhön geht es sonntags dann wieder heim nach Kraftsolms.

Die weiteren Aktivitäten im Jahre 2000 prägen die Festbesuche in Philippstein, Brandoberndorf, Greifenstein, Rechtenbach und Grävenwiesbach, das Jubiläum des Gymnastikvereins Kraftsolms und natürlich die beliebten „Kubacher Grilltage“ unserer Kubacher Freunde. Besonders erwähnenswert ist hierbei auch die Mitgestaltung der Goldenen Hochzeit unseres Vize-Chorleiters Gerhard Schäfer, der immer dann zur Stelle ist, wenn Wolfgang Jung einmal verhindert sein sollte.

Ein wunderschöner Abschluss des Jahres gelingt dem Chor wieder einmal in der Kubacher Kristallhöhle, wo zusammen mit dem Posaunenchor Gräveneck und Solistinnen des Frauenchores ein Weihnachtskonzert veranstaltet wird. Wie schon bei Auftritten zuvor beeindruckt die Zuhörer nicht nur die gesangliche Leistung der Kraftsolmser Sänger, sondern auch die geradezu einmalige Akustik der Kubacher Kristallhöhle.

Nach dem obligatorischen „Singen an der Wehr“ vor Heiligabend führt die Sänger die Winterwanderung in jenem Jahr über Griedelbach und Oberquembach zur heimischen „Bergschänke“ in Kraftsolms.

Im zurückliegenden Jahr 2001 ist sicherlich der rundum gelungene Tagesausflug nach Rheinhessen einer der Höhepunkte des Vereinsjahres. Im August folgt der Chor damit der Einladung unseres Sangesfreundes Hans Ulm, der bereits ein Jahr zuvor bei einem Ausflug der Schoppesänger sein Herz in Rheinhessen verloren hat.

Auf dem Hinweg wird zunächst das deutsche Weinbaumuseum in Oppenheim besichtigt, bevor es dann bei großer Hitze weiter nach Mainz geht. Hier hat der Chor die Gelegenheit im Mainzer Dom einige Lieder darzubieten. Nach dieser einmaligen Erfahrung fährt man weiter nach Udenheim, der neuen Heimat von Hans Ulm. Hier ist bereits alles für ein zünftiges Weinfest vorbereitet und die Kraftsolmser Sänger bieten ihren Gastgebern ein Potpourri von Wein- und Stimmungsliedern. Bei Wein, Weib und Gesang klingt der Ausflug in Udenheim aus, bevor man sich spätnachts dann auf den Heimweg macht.

Neben den Fest- und Konzertbesuchen in Waldhausen, Weiperfelden, Daubhausen und Laubach soll im Jahr 2001 sicherlich auch das Jubiläumsfest der Sportfreunde Kraftsolms erwähnt werden. Den Kommers zum 70-jährigen Bestehen im DGH gestaltet auch der MGV „Harmonie“ tatkräftig mit.

Zum Abschluss des Sängerjahres treten die Kraftsolmser Sänger auf dem Waldsolmser Weihnachtsmarkt auf und im Dezember wird das Weihnachtskonzert des Frauenchores mitgestaltet. Nach dem allseits beliebten „Wehrsingen“ führt die Winterwanderung 2001 über Schwalbach nach Bonbaden.

Das Jahr 2002 nun steht selbstverständlich ganz im Zeichen des 25-jährigen Jubiläums von Wolfgang Jung als Chorleiter des MGV „Harmonie“ Kraftsolms. Dies wird nun im November 2002 gebührend gefeiert.

Nicht unerwähnt soll bleiben, dass auch im aktuellen Vereinsjahr die Festbesuche und Geburtstagständchen nicht zu kurz kommen, hier sei auch vom Besuch beim Polterabend unseres Sangesfreundes Hans Ulm in Udenheim berichtet.

Der Chor gratuliert seinem Chorleiter aus ganzem Herzen zum 25-jährigen Jubiläum, bedankt sich herzlich für die fruchtbare musikalische Zusammenarbeit und das gesellige Zusammensein und verbindet dies mit der tiefen Hoffnung auf eine weitere, zukünftige, langfristige Kooperation zwischen Kubach und Kraftsolms!